Schon bald lassen wir den Leeds & Liverpool Canal hinter uns. Einige Tage in Leeds erwarten uns noch und dann geht es wieder weiter in unbekannten Gewässern.
Seit wir Richtung Süden fahren ist der Kanal geprägt von unzähligen Drehbrücken und einigen Treppenschleusen. Es gibt 3 Arten von Drehbrücken (und dann noch die Moss Swing Bridge in Rodley). Am liebsten sind mir diejenigen, die gar nicht mehr in Betrieb sind (aber die zählen ja nicht).
Am zweitliebsten sind dann die automatisierten. Es ist immer wieder lustig, genervte Autofahrende beim Vorbeigleiten eines Bootes zu beobachten.
Leider ist aber die Mehrzahl der Brücken reine Handarbeit. Die eine Hälfte ist recht einfach zu bedienen, die andere Hälfte aber braucht bis zu drei Mann, um sie zu drehen.
Ach ja, und die Moss Swing Bridge ist so kompliziert, dass sie empfehlen, erst das Video zu schauen: eine Mischung zwischen automatisch, Schwingräder, Schlüsselwechsel. Da war kein Praktiker an der Planung beteiligt.
Die berühmteste Treppenschleuse ist die ‘Bingley Five’, hier das Video dazu von unserer Passage 2019. Dieses Mal mussten wir zwar lange warten, bis wir endlich loskönnen. Dafür hat es genügend freiwillige Helfer, so dass wir hier nicht viel zu tun haben. Die anderen zwei- und dreifachen Treppen bis nach Leeds aber bedienen wir selbst.
Dazwischen muss man einfach Glück haben. Einen besseren Zeitpunkt für einen Besuch in Skipton gibt es fast nicht. Einmal im Jahr ist Sheepday, so mit Aktivitäten in der Innenstadt. Inklusive Schafe und auch Schausteller ohne Fell. Ein grosses Plakat am Kirchturm weist darauf hin, dass er bestiegen werden kann. Was wir zuerst nicht wissen, das passiert nur einmal im Jahr. Wir melden uns an und besuchen unterdessen das Schloss von Skipton. Auch hier gibt es allerlei Schausteller und Erklärungen, wie früher gelebt und gearbeitet wurde.
Pünktlich auf den Starttermin melden wir uns wiederum in der Kirche.
Der Aufstieg ist wirklich nicht gerade touristenfreundlich und der eine oder die andere ist nach der ersten Etappe zurück ins Kirchenschiff geflüchtet. Wir erreichen zuerst den Raum der bell-ringer (Glockenspieler?). Seit ich den Roman von Dorothy L. Sayers ‘The nine Tailors’ gelesen habe, fasziniert mich dieses Hobby. So nahe dran wie hier war ich noch nie. Es werden keine Melodien gespielt, sondern Permutationen. An den Wänden hängen Trophäen von stundenlangem Glockengeläute ohne Wiederholung. Und zum ersten Mal können wir selbst die kleinste und die grösste Glocke zum Klingen bringen.
Die nächste Ebene ist der Uhrenraum, dann folgt die Glockenkammer. Die Erklärungen des Führers haben wir nur halb mitgekriegt, die nächste Gruppe ist bereits am Üben. Hier erfahren wir auch, dass heutzutage nicht mehr die ganze Umgebung teilhaben muss. Die Glockenschlegel können fixiert werden und ein Sensor überträgt das Signal auf einen Computer.
Und dann klettern wir noch aufs Dach. Das letzte Tor muss auf den Knien passiert werden. Aber die Aussicht lohnt sich!
Einige Meilen weiter, beim Besuch von East Riddlesden Hall tauchen wir ein in die Welt von Emily Brontë Wuthering Heights (ich gebe zu, ich habe es nicht gelesen). Die Inneneinrichtung, das Haus und die originalen Scheunen sind aber auch ohne Buchkenntnis sehenswert.
Was wir einige Schleusen weiter treffen ist weniger literarisch, mehr raumplanerisch und industriegeschichtlich interessant: Saltaire. Heute UNESCO Weltkulturerbe. Die Stadt wurde mit Kirche, Spital, Schule etc. um die Fabrik herum errichtet.
Und nun, ab in die Stadt!

























